Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de - Auf geht´s, die Rucksäcke sind gepackt

Reisebericht Camino Portugues da Costa – Unser Jakobsweg, Tag 1

21.08.2019: Tag 1 – Anreise nach Porto
10:45 Uhr: Jetzt wird es ernst, gleich geht es los!
Nach wochenlanger Vorbereitung und -freude geht es gleich auf nach Porto, dem Startpunkt unseres Camino Portugues da Costa. Ingos Schwager hat sich bereit erklärt, uns nach Köln zum Flughafen zu fahren. Abflug ist um 14:05 Uhr, also noch Zeit, um in Ruhe einen Kaffee zu trinken.

Die Rucksäcke stehen bereit. Ingos Schwager zeigt auf unsere Rucksäcke und fragt ungläubig: „Da ist alles drin für zwei Wochen?“ Wir wissen es ja selbst nicht so genau und hoffen, dass wir alles Notwendige dabei haben, aber auch nichts zuviel. Denn die Rucksäcke werden wir in den kommenden 15 Tagen, das sei vorweg genommen, 370 Kilometer von Porto nach Santiago de Compostela tragen. Ingos Rucksack wiegt zehn Kilogramm, meiner rund acht Kilo. Ingo hat das Fotoequipment inklusive Fotodrohne mitsamt Akkus und Fernsteuerung dabei. 🙂 Da wir nur Handgepäck dabei haben (unsere Rucksäcke geben wir nicht auf, sondern nehmen sie mit in die Kabine), mussten wir darauf achten, keine Dinge mitzunehmen, die nicht mit an Bord dürfen. So bleibt denn auch das Taschenmesser zu Hause.

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Auf geht´s, die Rucksäcke sind gepackt.

So, Kaffee leer, Rucksäcke in den Kofferraum und ab geht es Richtung Flughafen. Die Fahrt nach Köln läuft ohne Probleme. Am Flughafen angekommen, kurze Verabschiedung und dann direkt durch den Sicherheitscheck. Hier läuft läuft alles super gut, schnell und ohne Probleme. Die Akkus für die Drohne sind kein Problem. Ingo hatte im Vorfeld bei der Fluggesellschaft angerufen und nachgefragt, denn nicht alle Fluggesellschaften erlauben es, Akkus ab einer bestimmten Kapazität mit an Bord zu nehmen. Meine zwei Scheren in Näh- und Erste Hilfe-Set bereiten ebenfalls keine Probleme 😉

Wir sind eingecheckt, haben die Sicherheitskontrolle hinter uns und jetzt Zeit.
Bis zum Einsteigen in den Flieger haben wir noch gut ein Stunde. Also erst einmal ein „Pilgerfrühstück“ am Flughafen: Baguette mit Salami für mich, Baguette mit Tomate, Mozzarella und Thunfisch für Ingo. Dazu jeder ein kaltes Bier 😉 Hmm … Das fängt gut an! 🙂

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de - "Pilgerfrühstück" am Flughafen.
“Pilgerfrühstück” am Flughafen.

13:15 Uhr, langsam wird es Zeit für uns zum Gate zu gehen.
Wir machen uns auf den Weg (am Kölner  Flughafen sind die Wege nicht so lang) und kommen just in Time zum Gate: Das Boarding hat schon begonnen und mit unseren Priority-Karten gehen wir direkt durch. Das Wetter ist schön, alles klappt bestens. Wenn das kein guter Anfang ist. So kann es bleiben, denken wir.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de - Pünktlich geht es los
Pünktlich geht es los.

Pünktlich um 14:05 Uhr starten wir.

Unser Super-Einstieg bekommt zwanzig Minuten später einen Dämpfer: Mein Kreislauf geht in den Keller, mir wird speiübel, heißer und kalter Schweiß … was ist das jetzt? Ingo besorgt bei der Stewardess einen “Spuckbeutel”, den ich auch direkt benutze. (Das ist tatsächlich die offizielle Bezeichnung für die weithin bekannte Kotztüte.) Das hatte ich noch nie! Aber wollten wir nicht was Neues erleben?  🙂
Aber doch eigentlich nicht, wie es ist im Flugzeug in einen Beutel zu „k…..“
Aber nach einer Stunde geht es mir wieder gut.

Als wir über Porto fliegen, sehen wir die Kathedrale und unser Hotel (in der Mitte des Bildes) , direkt gegenüber eines großen Friedhofs.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de - Porto und unser Hotel aus der Vogelperspektive
Porto und unser Hotel aus der Vogelperspektive.

Nach der Landung geht es für uns mit unserem Handgepäck sehr schnell. Raus aus dem Flughafen zu den Bussen. Der Bus vom Flughafen in die Stadt steht schon bereit und so fahren wir tatsächlich für nur 2,80 EUR pro Person nach Porto rein. Endstation ist ein unterirdischer Busbahnhof. Von hier aus sind es noch rund drei Kilometer bis zu unserem Hotel. Hmm, … Da stehen Taxis 😉 Direkt vor uns. Laufen oder fahren? Was soll´s! wir laufen ja noch genug. 🙂
Also ab ins Taxi und schon geht es rustikal ab durch den doch recht dichten Stadtverkehr. Irgendwie kommt es uns vor, als ob hier jeder irgendwie fährt, wie er will: Rote Ampeln scheinen nicht wirklich zu interessieren. Dafür legt man an einem Fußgängerüberweg aber auch gerne mal eine Vollbremsung hin. Nach kurzer Fahrt stehen wir mit unseren zwei Rucksäcken in der Hotellobby und checken ein. Wir haben ein sehr geräumiges Zimmer in siebten Stock. Ein super großes und ein normales Bett, viel Platz für uns Zwei. 🙂

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de - Unser Hotelzimmer in Porto.
Unser großzügiges Hotelzimmer in Porto.

Vom Fenster aus haben wir einen schönen Blick auf die Straße, den großen Friedhof und das Meer im Hintergrund. Meer, so habe ich mir das vorgestellt, als ich den Camino Portugues DA COSTA geplant habe. Wenn schon laufen, dann am liebsten so weit es geht am Meer entlang.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de - Blick aus unserem Hotelzimmer über Porto.
Blick aus unserem Hotelzimmer über Porto.

Viel auszupacken haben wir ja nicht. Die Wertsachen legen wir in den Safe und auf geht es in die Stadt, Richtung Kathedrale. Wir brauchen ja noch unsere Pilgerausweise. Wir laufen bei herrlichstem Wetter durch die belebte Innenstadt von Porto vorbei an der Kirche Igreja do Carmo. Das Besondere an ihr ist, dass es eigentlich zwei Kirchen sind, als Doppelhaushälften sozusagen. Denn sie sind direkt aneinander gebaut, die Kirche Igreja do Carmo rechts mit der blauen Kachelfassade (Azulejos) und links die Kirche Igreja das Carmeli.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de - Es gibt viel zu sehen in Porto.
Es gibt viel zu sehen in Porto.

Vorbei an der Igreja dos Clérigos, der Kirche der Kleriker mit ihrem imposanten Glockenturm, dem Torre dos Clérigos. Mit 76 Metern ist er der höchste Kirchturm Portugals und gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de - Torre dos Clerigos - Der höchste Kirchturm Portugals.
Torre dos Clerigos – Der höchste Kirchturm Portugals.

Vorbei an den vielen bunten Hausfassaden …

Bunt gekachelte Hausfassaden gehören zum Stadtbild in Porto.

… und durch belebte Straßen, in denen sich die im Schatten liegenden Plätze rasch füllen.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de -  Lebendiges Porto.
Lebendiges Porto.

Und dann stehen wir vor ihr: Die Kathedrale von Porto. Groß und mächtig, schicksalsträchtig … Der Ausgangspunkt unserer Pilgerreise.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de -  Die Kathedrale von Proto - Ausgangspunkt unseres Camino Portugues da Costa.
Die Kathedrale von Proto – Ausgangspunkt unseres Camino Portugues da Costa.

Aus Reiseberichten von Freunden, die den Camino de Portugues schon gelaufen sind (Danke an „Stöppel“), wissen wir, wo wir hin müssen, um uns unsre Pilgerausweise zu holen.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de -  Die Kathedrale von Porto.
Jakobsweg – MeineSpiritualitaet.de – Die Kathedrale von Porto.

Die Türen stehen offen, wir treten ein. Direkt winkt jemand ab: „Closed!“ Geschlossen? Aber wir benötigen doch den „Credential del Perigrino“. Ein freundliches Lächeln von uns, eine Geste und wir bekommen doch noch unsere Pilgerausweise. Wir bezahlen 2 EUR je Ausweis und der erste Stempel, der der Kathedrale, ist auch schon drin. Ich kann im Nebenzimmer auch die Pilgermuscheln sehen. Frage aber nicht danach, schließlich sind wir morgen auch noch den ganzen Tag hier.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de -  Pilgermuscheln.
Pilgermuscheln.

Glücklich treten wir mit den Ausweisen auf den Platz vor die Kathedrale.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de - Unsere Pilgerausweise - Jetzt sind wir Pilger :-)
Unsere Pilgerausweise – Jetzt sind wir Pilger 🙂

Zwei Musiker singen und spielen (nur für uns 🙂 ein super schönes Lied.

Jakobsweg - MeineSpiritualitaet.de -  Live-Musik auf dem Platz vor der Kathedrale.
Live-Musik auf dem Platz vor der Kathedrale.

Es ist sieben Uhr abends und wir sind hungrig. Schließlich haben wir heute schon gut 2.000 Kilometer hinter uns. Ok, ok, zugegeben mit allerlei technischem Hilfswerk. Wir wollen jetzt etwas Essen und Trinken, nur wo? Wir laufen die Straße hinunter, vorbei am Bahnhof Porto São Bento. Der muss von innen toll sein, so steht es im Reiseführer. Und wie toll der ist! Die Bilder auf den Kacheln sind traumhaft schön und wir schauen uns alles in Ruhe an.

Der Bahnhof Porto São Bento mit prachtvollen Keramikbildern an den Wänden.
Der Bahnhof Porto São Bento mit seinen prachtvollen Keramikbildern an den Wänden. Sehenswert!

An der Decke stehe die Worte „MINHO und DOURO“. Der Bahnhof verbindet seit seiner Fertigstellung am 5. Oktober 1916 die beiden schon vorher bestehenden Bahnlinien „Linha do Minho“ von Viana do Castelo her kommend und die „Linha do Douro“ aus dem Douro-Tal. Für den Bau des Bahnhofs musste seinerzeit das Kloster „Mosteiro de São Bento de Avé-Maria“ weichen. Daher der Name des Bahnhofs „São Bento“.

Jakobsweg - Meine-Spiritualitaet.de -  Der Bahnhof Porto São Bento.
Der Bahnhof Porto São Bento – Bindeglied zwischen Minho und Douro.

Wieder draußen stellen wir uns die Frage: „Hier bleiben, oder wollen wir ans Meer?“ Es ist sehr heiß, um uns herum unheimlich viele Menschen. Die Entscheidung ist gefallen: Ab ans Meer!  Zum Meer sind es ca. 4 Kilomenter.  Noch sind wir nicht „im Rennen“ und pilgern nicht, entscheiden uns daher, mit dem Taxi zu fahren. Zumal das in Portugal recht günstig ist.

Jakobsweg - Meine-Spiritualitaet.de - Der Bahnhof Porto São Bento von außen.
Der Bahnhof Porto São Bento.

Tja, der Taxifahrer wittert seine Chance: dumme Pilger!
Er kenne ein tolles Restaurant am Meer. Alles frisch gegrillt. Über offenem Feuer.
Wir sind begeistert und steigen ein. Normalerweise hätten wir auf recht direktem Wege in fünf Minuten dort sein können (Google Maps ist unser Freund). Aber unser Taxifahrer hat anderes vor. Kreuz und quer durch die Stadt und spätestens, als er auf die Autobahn fährt, dämmert uns, dass hier etwas aus dem Ruder läuft. Wir fragen recht bestimmt, wo er denn mit uns hin will. „Zum Restaurant mit dem guten Essen“. Er fährt und fährt und fährt.  Ca. die dreifache Strecke. Dank Google Maps wissen wir recht genau, wo wir hin wollen und wo wir sind. Und das passt gar nicht zusammen. Irgendwann reicht´s und wir geben ihm sehr deutlich zu verstehen, wo er uns absetzen soll und dass wir ohne Umwege dorthin wollen. Das war scheinbar deutlich genug, denn plötzlich klappt es mit der Route. Am Meer angekommen, steigen wir aus, zahlen 12 EUR. Für 4,50 EUR wären wir auf direktem Wege hierher gekommen. Vielleicht sollten wir doch besser laufen. Wir sind nicht da, wo wir hin wollten, also laufen wir los – am Meer und am Strand entlang.
Der Strand ist super schön, …

Jakobsweg - Meine-Spiritualitaet.de - Blick auf den Atlantik.
Blick auf den Atlantik.

… aber die Aussicht?
Rechts ein Industriehafen, …

Jakobsweg - Meine-Spiritualitaet.de - Industriehafen Porto.
Industriehafen Porto.

… hinter uns hohe Bauten.

Jakobsweg - Meine-Spiritualitaet.de - Strandpromenade Porto
Strandpromenade Porto

Wir laufen zur „Forte de São Francisco Xavier“, eine befestigte Klippenburg am Anfang der Av. da Boavista, an deren Ende unser Hotel liegt. Hier wollten wir hin.
Im Gegensatz zur Innenstadt ist es hier echt frisch. Das sind bestimmt 10 Grad Unterschied. Nur Ingo hat seine Jacke dabei. Aber er ist ja mein „HELD“ und ab sofort ohne Jacke. 🙂 Es geht auf 20 Uhr zu. Ich habe Hunger und Durst. Keine sehr gute Kombi. Aber weit und breit kein Restaurant. Also beschließen wir, die Av. da Boavista Richtung Hotel zu laufen und hoffen auf ein nahes Restaurant. Der Weg zieht sich endlos. Dank Google finden wir auch ein Restaurant auf dem Weg, aber bis dahin ist es noch ein ganzes Stück.
Das Restaurant ist groß, erst einmal 2 kühle Bier. Das tut gut …
Essen? Die Karte ist recht merkwürdig. Egal, ich möchte Steak und Pommes und Ingo ein Omelette mit Garnelen. Gesagt, bestellt – das Essen kommt. Die Pommes sehen komisch aus. An den anderen Tischen sehen sie besser aus. Ich glaube, wir haben die „Pilger-Pommes“ bekommen. Alle Pommes mit schwarzen Flecken, die man keinem geben kann, haben wir :-).
Mein Steak, ca. 0,8 cm dick, zu Tode gebraten mit einem Ei drauf erinnert an ein Siegerländer Krüstchen. Dazu Salat ohne Dressing, eine Scheibe Schinken und Käse. Kann man machen, ist dann aber …

Jakobsweg - Meine-Spiritualitaet.de - Essen in Porto

Ingos Omelett ist super. Er bekommt die andere Portion „Pilger-Pommes“, trockenen Reis und Salat.

Jakobsweg - Meine-Spiritualitaet.de - Essen in Porto

Wir haben Hunger und essen fasst alles auf. Dazu noch zwei Bier und am Ende bezahlen wir 33,20 EUR, das ist okay. Satt und zufrieden laufen wir Richtung Hotel, es sind immer noch 3 Kilometer. Dennoch: der Tag war toll, viele Eindrücke. Auf dem Weg entdecken wir eine Einkaufspassage mit Supermarkt in direkter Nähezum Hotel. Da können wir morgen früh Getränke kaufen und eine Bauchtasche für mich.
Wir beenden den Tag in unserer Hotel-Lounge draußen auf beleuchteten Möbeln, trinken noch etwas und genießen die laue Luft (hier ist es viel wärmer, als direkt am Meer).

Jakobsweg - Meine-Spiritualitaet.de -  Schöner Tagesabschluss im Hotel in Porto.
Jakobsweg – Meine-Spiritualitaet.de – Schöner Tagesabschluss im Hotel in Porto.

Erkenntnis des Tages: Porto ist groß, sehr groß! Und die Wege sind weit.

Stay tuned, die weiteren Berichte folgen.

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